FRO.LU - Citizen-Driven Parliamentary Oversight
Viergeschlo

Ich möchte ein Thema ansprechen, das aus meiner Sicht dringend politisch geprüft werden sollte.

Nach meinen Beobachtungen sowie den Rückmeldungen verschiedener Beteiligter scheint es in mehreren Klassen in Dudelange vorzukommen, dass Kinder über sehr lange Zeiträume ohne eigentliche Bewegungs- oder Erholungspause im Unterricht verbleiben. Teilweise wird die auf den Internetseiten beziehungsweise in den Stundenplänen vorgesehene Vormittagspause nicht eingehalten oder fällt deutlich kürzer aus.

Besonders besorgniserregend ist dies im Cycle 1, wo Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren teilweise von Unterrichtsbeginn bis gegen 11:00 Uhr oder sogar 11:15 Uhr ohne echte Pause im Klassenverband bleiben.

Die wissenschaftliche Literatur ist in diesem Bereich sehr eindeutig. Regelmäßige Bewegungs- und Erholungspausen fördern die Aufmerksamkeit, die Konzentration, die Selbstregulation, das soziale Verhalten sowie das allgemeine Wohlbefinden von Kindern. Gleichzeitig gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass längere Unterrichtsblöcke ohne Pause zu besseren Lernergebnissen führen.

Hinzu kommt, dass wir heute immer häufiger Kinder begleiten, die Schwierigkeiten mit Frustrationstoleranz, Emotionsregulation, Impulskontrolle und Aufmerksamkeit haben. Auch ADHS und andere Entwicklungsbesonderheiten sind längst Teil des pädagogischen Alltags geworden. Gerade diese Kinder profitieren nachweislich von regelmäßigen Bewegungs- und Erholungsphasen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb Praktiken, die teilweise mehr als drei Stunden nahezu ohne freie Bewegungsphase vorsehen, noch immer angewandt werden. Dies erscheint weder zeitgemäß noch mit den aktuellen Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie, Gesundheitswissenschaften und Pädagogik vereinbar.

Zusätzlich irritiert, dass auf verschiedenen Internetseiten der Schulen Vormittagspausen ausgewiesen sind, während in der Praxis offenbar davon abgewichen wird. Hier wäre mehr Transparenz wünschenswert.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass folgende Fragen auf politischer Ebene an das Bildungsministerium gerichtet werden:

  • Gibt es nationale Empfehlungen oder Mindeststandards bezüglich Pausen im Cycle 1 und in der Grundschule?
  • Werden die offiziell kommunizierten Pausenzeiten überall eingehalten?
  • Wie bewertet das Ministerium Unterrichtsblöcke von mehr als drei Stunden ohne Bewegungs- oder Erholungspause?
  • Entsprechen solche Modelle den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Empfehlungen internationaler Gesundheitsorganisationen?
  • Sieht das Ministerium aufgrund der zunehmenden Herausforderungen im Bereich ADHS, Emotionsregulation und psychischer Gesundheit Anpassungsbedarf?

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, einzelne Lehrpersonen oder Schulen zu kritisieren. Vielmehr wünsche ich mir eine sachliche Diskussion darüber, ob die aktuellen Rahmenbedingungen den Bedürfnissen der Kinder noch gerecht werden und ob bestehende Praktiken wissenschaftlich und pädagogisch ausreichend begründet sind.

Kinder brauchen eine Schule, die sich an ihren Entwicklungsbedürfnissen orientiert. Bewegung, Spiel und Erholung sind kein Luxus und keine verlorene Lernzeit, sondern wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen und eine gesunde Entwicklung.

vor in Éducation nationale, Enfance et Jeunesse von

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